Achtsamkeit – auch ein Wort für Slow Food

Hektisch ist heute alles. Deshalb die große Sehnsucht nach Entschleunigung. Weltfluchtmagazine gibt es bereits, eines heißt sogar „Emotion Slow“. Entschleunigen ist die Methode, Achtsamkeit der Gewinn daraus: „Achtsamkeit ist eine Qualität des menschlichen Bewusstseins, eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um einen klaren Bewusstseinszustand, der es erlaubt, jede innere und äußere Erfahrung im gegenwärtigen Moment vorurteilsfrei zu registrieren und zuzulassen“, definiert das DFME Deutsches Fachzentrum für Achtsamkeit. „Je bewusster wir unserer Handlungen werden, desto achtsamer werden wir“, sagt Jochen Auer, Leiter der Kreativtherapie, Heiligenfeld Parkklinik, Bad Kissingen1. Und im Grunde ist das auch die Idee, die hinter Slow Food steht.

Übertragen wir es in unseren Alltag, z.B. beim Einkaufen von Lebensmitteln. Da rennt man mal schnell zum Supermarkt, zum Diskounter und kauft möglichst alles da ein, oft viel Fertiges und möglichst günstig. Nichts gegen das frische Obst und Gemüse, die Flasche Milch, den Becher Joghurt, das tiefgefrorene rohe Fischfilet. Aber doch etwas gegen die fertigen Pommes, die Pizza zum Aufbacken, die H-Milch im plastifizierten Karton, den Joghurt mit Fruchtgeschmack, das fertige Fischfilet in Knusperhülle.  Ja, wer so einkauft spart Zeit, aber wofür?

Mal ehrlich: Befriedigt der „Tatort“, die Liebesschnulze, die Rätselsendung so sehr, dass man dafür statt sich etwas frisch zu kochen lieber Fake-Produkte isst, aufgepeppt mit allerlei technisch gewonnenen mysteriösen Zusätzen, damit sie halbwegs irgendwie schmecken? Bedenke: Was du isst (und trinkst), wird ein Teil von dir! Gehen wir also achtsam mit uns um – und entschleunigen uns! Da gewinnen wir viel, sogar nicht nur für uns selbst: Statt zum anonymen Supermarkt gehen wir zum selbst backenden Bäcker, der uns sagen kann, wo das Mehl herkommt und wie er das Brot, die Brötchen, Wecken, Brezeln, Seelen macht und warum diese anders schmecken. Gehen wir zum Metzger, der uns sagen kann, woher die Schweine kommen, woher das Kalb, das Rind, wie sie gehalten wurden und wo er schlachten lässt, weil er nicht selber schlachtet. Und auch, was bei ihm ohne Geschmacksverstärker ist. Und wenn es einen Wochen-, einen Bauernmarkt gibt: Von den Erzeugern aus der Umgebung erfahren Sie, was wie schmeckt, was wie erzeugt wurde, was zu beachten ist, wie man’s garen soll.

So wächst das eigene Wissen, aber auch das eigene Wohlbefinden. Und auch das Selbstgekochte bringt Gewinn: Das Lob der Esser, mehr handwerkliche Fertigkeit und Verfeinerung der Sinne. Und dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Erkunden der wirklich guten Produkte: Jene, die sehr gut schmecken, die sauber sind, also natur- und klimaschonend erzeugt und frei von künstlichen Zusatzstoffen, und auch dem Erzeuger den gerechten Anteil geben. Eigentlich ist es leicht, auf diese Weise die Welt selbst ein bisschen besser zu machen und zugleich sich zu entschleunigen: achtsamer mit sich zu werden.

Foto (© Helga Bunz): Selbstgekochtes: Gebratenes Sauerkraut mit Schweinefleisch, Orangenschnitz, geröstetem Brot und Schmand

1) Zitat aus Mainpost Nr. 188, 17.08.2018

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Geschmacklos lebt sich’s schlechter

Geschmack ist wohl das am meisten missbrauchte Wort. Jeder verwendet’s: Das ist mein Geschmack! Und so wird’s zum Totschlag-Argument. Weil jeder etwas schmecken kann, meint jeder, Geschmack zu haben. Auch wenn’s gar nicht um’s Schmecken geht. Denn das Wort lässt sich trefflich überall einsetzen: beim Verhalten, beim sich Kleiden, beim Beurteilen beispielsweise.

Der schlechte Geschmack ist alltäglich. Guter Geschmack hingegen verlangt Bildung. Und nicht zu knapp. Dem Verhungernden scheint jeder Bissen, dem Verdurstenden jedes Getränk köstlich. Doch von den bei uns 99,9 Prozent Satten und Nichtdürstenden fröhnen die allermeisten dem schlechten Geschmack – und das nicht nur beim Essen und Trinken. Auch beim sich Kleiden, sich Benehmen, sich Ausdrücken.

Beim Schmecken sind Kenntnisse erforderlich und feine Geschmackssinne. Mit anderen Worten: Es ist eine intellektuelle und eine sinnliche Disziplin. Auch beim Verhalten sind Kenntnisse erforderlich, beispielsweise was höflich ist und was nicht, aber auch ein Sinn fürs Angemessene – und das ist kulturbedingt und erfordert entsprechende Bildung. Der Sinn fürs Angemessene ist auch beim sich Kleiden nötig, aber auch der Sinn für Selbstkritik – und dieser ist Ergebnis von Erziehung. Das Beurteilen verlangt mehrere Sinne, je nachdem, um was es sich handelt: Den Sehsinn fürs Sichtbare, den Hörsinn fürs Hörbare, den Tastsinn fürs Fühlbare, den Geruchsinn fürs Riechbare, und den Geschmacksinn fürs Schmeckbare. Doch das genügt noch nicht: Entscheidend ist dabei die kulturelle Reife, also erworbenes Wissen und erworbene Erfahrung.

Wenn ich mich umblicke, scheint mir in Deutschland heutzutage die Kultur des Geschmacklosen und Billigen weit verbreitet: Junge wie reife Frauen lieben offensichtlich Clochard-Outfits, ebenso das Verschandeln ihrer Haut mit Tatoos, was offenbar auch viele Männer fasziniert und nicht wenige sich in ein gestochenes Gemälde verwandeln; banales Fast- und Quickfood ist vielfach der Küchenmeister und selbst angeblich Kultivierte lieben die Diskounter, weil man dem Billigen frönt. Dass auch noch das Vulgäre in der Sprache zu Wort kommt, ist dann nur logisch, da selbst das Fernsehen sich bemüht, authentisch zu sein.

Geschmack, guten Geschmack haben im umfassenden Sinne ist ein Bildungsprozess und muss erlernt werden. Doch es sieht so aus, als ob im Erziehungsprozess in Deutschland dieses Thema ein Schattendasein führt.

Foto: Tomatensuppenpulver © Hans-Werner Bunz

Kaffeetafelkultur – und ihr Mörder

Pot heißt der Mörder. Erinnert an den kambodschanischen Massenmörder Pol Pot und ans einstige Nachtgeschirr, den Piss-Pott. Aber “Pot” schwappte aus Übersee herüber, ist somit folglich angesagt, pardon, cool, obwohl das Wort – wie der Pott auch – nur Gefäß bedeutet. Egal, der Pot ist groß und bequem, zwei Tassenvolumina passen rein, braucht wenig Platz, lässt sich problemlos im Stehen, die Akten in der anderen Hand, zum Mund führen, spart Untertasse und Kaffeekanne. Nur Vorteile.

Von wegen. Der Pot ist in aller Regel formal hässlich – und verrät so des Besitzers mangelnden Sinn für Form und Design. Reklame leuchtet von und an der Potwand – der Becherhalter outet sich als geizig und erniedrigt sich zudem zur mobilen, unbezahlten Werbefigur. Auf dem Schreibtisch (und manchmal auf den Akten) oder auch zuhause – natürlich hat man den Kaffee-Pot heute auch im trauten Heim – hinterlässt er Flecken auf der Tischplatte (Tischtücher sind ja inzwischen auch out, Plastik-Sets tun’s auch, wenn’s elegant sein soll). Schmuddelimage. Übel ist dran, wer mit einem Kaffeelöffel Milch und Zucker umrührt, wo diesen ablegen?

Kaffee-Pot-Liebhaber mordeten die Kaffeekultur, begruben die Kaffeetafel und mit ihr die gelassene Geselligkeit miteinander befreundeter, vergnügt plaudernder Menschen an einem schön gedeckten Tisch mit Tassen, Untertassen, Kaffeekanne, Milchkännchen, Zuckerdose, Kuchenteller, Kuchenplatte, von Künstlern gestaltete Schönheiten in Porzellan und Keramik. Pot-Enthusiasten sind die Totengräber eines Kunsthandwerks ebenso wie der zugehörigen Betriebe: Sie vertrieben die Schönheit, erstörten Genusskultur, verscheuchten Lebenslust, vernichteten Tischkultur – eines schäbig-banalen Pots wegen.

Text und Foto: Hans-Werner Bunz

Ein Spargelrezept zum Saison-Schluss

Franken ist in Bayern eine sehr beachtliche Spargelregion. Hier wohne ich und erfreue mich dieser und anderer Kulinaria, die Franken besonders lebens- und liebenswert machen. Zum Spargel gehört auch Wein – und da wächst ein sehr guter, will sagen, viele sehr gute. Der Silvaner ist hier kulinarisch herausragend, aber auch andere Sorten wie Weißburgunder oder der PIWI Johanniter. Das Rezept, das ich hier vorstelle, ist klassisch-fränkisch, also traditionsreich. Dennoch habe ich es ein bisschen veredelt – es gewinnt zudem etwas an Substanz. Wichtig dabei allerdings ist die Qualität der einzelnen Zutaten. Ein Muss sind natürlich gewachsener Spargel oder Bio-Spargel – also nicht unter Planen gereift. Ebenso bei den Bratwürsten: Sie sollten nach Hausmacherart sein, aber ohne Majoran gewürzt und selbstverständlich ohne Geschmacksverstärker oder Konservierungs- und Festigungsmittel – also gänzlich ohne Zusatzstoffe.

4 Personen: 1 kg weißen fränkischen Spargel, 8 grobe fränkische Bratwürste, 4 Eier, Petersilie, Butter, feinstes Olivenöl
1. Spargel waschen, schälen, Enden abschneiden. In leichtem Salzwasser garen. Die Eier in der Schale gar kochen. Petersilie nicht zu fein hacken. Bratwürste in etwas Butter gut braten. Teller wärmen.
2. Ca. 10 g Butter pro Person zerlassen. Eier mit dem Eierschneider würfeln, mit der gehackten Petersilie vermischen, einige EL Olivenöl untermischen.
3. Gekochten Spargel gut abtropfen lassen (am besten auf einer Serviette), auf den Tellern verteilen, mit zerlassener Butter beträufeln, und mit der Eier-Petersilien-Öl-Mischung garnieren. Die gebratenen Bratwürste dazu legen und sofort servieren.

Bratwurst – neu inszeniert

Fränkische Bratwurst ist traditionell eine „grobe“ Bratwurst – eine Bratwurst also mit grobem Brät. In den evangelischen Regionen Frankens, so der Bratwurstexperte Heinrich Höllerl in seinem Buch Die Bratwurst ist eine Fränkin, wird sie gerne sichtbar und im Geschmack deutlich mit Majoran gewürzt. In den katholischen Regionen wäre wie beim fränkischen Brot eine vielfältige Gewürzmischung üblich, dabei kann sogar auch Ingwer darunter sein. Traditionell verspeist man sie gebraten mit Sauerkraut, Senf und Brot; als  Streetfood genießt man in einem Brötchen ein oder zwei als gebratene oder auf dem Rost geröstete „Gezwickte“ mit Senf; diesen aber nur, wer dem Metzger keine ordentliche Würzung zutraut. Berühmt sind auch die Sauren Zipfel; in Weinfranken heißen sie Blaue Zipfel, siedet man sie hier doch in einem Zwiebel-Weinsud, angereichert mit einigen Karottenscheiben und Wacholderbeeren. Nur wenn der Wein nicht genug Säure hat, gibt man ein bisschen Weißweinessig dazu. Die sauren Zipfel Mittel- und Bierfrankens garen hingegen in einem mit Wasser verdünnten Weinessigsud. Als Beilage gibt es Holzofenbrot (im Idealfall).

Blaue Zipfel esse ich gerne. Und Bratwurst mit Kraut oder als Gezwickte ebenso. Aber ein bisschen langweilig ist es schon. Deshalb habe ich mir ein richtiges Bratwurst-Hauptgericht ausgedacht, das zugleich auch eine moderne, ausgewogene Ernährung repräsentiert: pikant, würzig, vielfältig und lecker.

Ragout von der Bratwurst mit Saisongemüsen
Als halbe Portion ist dieses Gericht auch eine schöne und elegante Vorspeise. Fränkische Würste kennen keine Gewichts-, Längen- oder Durchmessernorm. Deshalb sind meine Mengenangaben höchstens eine Art Richtschnur, doch habe ich eine Bratwurst pro Person für ein Hauptgericht als reichlich empfunden, vorausgesetzt es gibt eine Vor- und eine Nachspeise. Das Schöne an diesem Rezept ist die mögliche Vielfalt. Schon allein aus der Saison ergeben sich vielfältige Alternativen übers Jahr. Mein aktuelles Rezept repräsentiert die Wintersaison im März. Als aktuelle hiesige Gemüse vom Gemüsebauern auf unserem Wochenmarkt (an vier Tagen der Woche!) dienen mir Stangensellerie, Pastinake, Möhre, Rote Zwiebel und Lauch.  (Weit her herantransportierte Gemüse oder Früchte passen nicht zu einem so traditionellen, regionstypischen Produkt wie die Bratwurst – das wäre nur beliebige Schaumschlägerei ohne Sinn für Kultur.)

Für vier Personen: 4 – 6 Stangen Stangensellerie, 2 – 3 große Möhren, 1 große Pastinake, 2 große rote Zwiebeln, 2 dicke Lauchstangen, 4 grobe Bratwürste, Butter, etwas Blütenhonig, Salz, schwarzer und weißer Pfeffer aus der Mühle, etwas trockener Weißwein, evtl. gemahlener Kümmel

  1. Alle Gemüse sorgfältig waschen, Sellerie entfaden, Möhren, Pastinake und Zwiebeln schälen, vom Lauch das Dunkelgrüne und die Wurzeln wegschneiden. Die Schalen und brauchbaren Abschnitte für eine Gemüsebrühe aufgewahren.
  2. Sellerei in ca. 1 cm Stücke schneiden, breite Stiele vorher halbieren, Möhren längs vierteln und quer in ebenfalls ca. 1 cm Stücke schneiden, ebenso die Pastinake. Den Lauch halbieren (nochmals waschen), die breiten äußeren Blätter halbieren und quer in 1 cm Stücke schneiden, ebenso die inneren Blätter. Die Zwiebeln längs halbieren, die Hälften längs in 4 – 5 Teile schneiden und diese quer in nicht zu dünne Streifen.
  3. Die Bratwürste in hießem, aber nicht kochendem Wasser 4 – 5 Minuten ziehen lassen, nach dem Herausnehmen enthäuten, in ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden.
  4. Die Zwiebeln in reichlich Butter weich und süß braten, mit etwas Honig leicht karamellisieren lassen, mit etwas Weißwein ablöschen, den Wein fast einkochen lassen.
  5. Die Bratwurstscheiben in Butter nicht zu scharf braten, sie sollen eine hellbraune Kruste bilden. Zum Schluss mit den Zwiebeln vermischen.
  6. Sellerie in Salzwasser knackig blanchieren und kalt abschrecken, ebenso den Lauch. Die Möhren- und Pastinakenstücke getrennt in leicht gesalzenem Wasser knackig kochen.
  7. Die Gemüse heiß miteinander vermischen, mit Salz, Pfeffern und evtl. ein wenig gemahlener Kümmel nach Geschmack würzen, evtl. noch ein Stück Butter untermischen und so erhitzen, dass sie nicht braten.
  8. Anrichten: In die Tellermitte das Gemüse platzieren und mit dem Bratwurst-Zwiebelgemisch umrahmen. Sofort servieren.

Streetfood – die Imbisslust am Straßenrand

Das Essen auf der Straße ist keine Erfindung der Neuzeit und des beschleunigten Lebens. Garküchen waren in den mittelalterlichen Städten für viele die einzige Möglichkeit, warmes Essen – und wenn es nur ein Getreidebrei war – sich leisten zu können. Garküchen sind auch heute in vielen Regionen der Welt eine Alltäglichkeit – nicht nur von Einheimischen geschätzt als Erzeuger eines Imbisses, für allzu viele oft die einzige Nahrung des Tages. In unseren Breiten veränderte die Imbisskultur nach dem 2. Weltkrieg die mitteleuropäische Nahrungskultur sogar nachhaltig. In Deutschland startete der Pommes-Hype in den Pommes-frites-Buden¹, gefolgt von den Würstelbuden, neben denen sich dann in den 80er Jahren die griechischen, türkischen und asiatischen Schnellimbisse ausbreiteten, weil sie den Reiseerlebnissen und wachsenden Einpersonenhaushalten entgegenkamen. Die zwischenzeitlich sich etablierenden amerikanischen Burger-Schnellrestaurants erweiterten ebenfalls die Imbissbudenkultur².

Was macht Imbissbuden und Kioske so anziehend?

Es ist der Platz, an dem man Pause macht. Ein schönes Beispiel dafür sind die Kölner ARD-Tatort-Ermittler, die nach erfolgreicher Fahndung ihren Lieblingskiosk am Rheinufer aufsuchen zum Verschnaufen. Imbissbuden und Kioske sind zudem Stätten der Begegnung und des Meinungsaustauschs mit dem Charme der unverbindlichen Zufälligkeit und dem Vergnügen der umstandslosen Esslust-Befriedigung zum kleinem Preis; die anonymen Kettenimbissrestaurants freilich waren Orte der Isolation.³ Street Food ist eine Ernährungsrealität mit Tradition und breiter Akzeptanz bei den Menschen. Bei uns in Deutschland freilich sind die meisten Angebote austauschbare Industrieprodukte von zumeist zweifelhafter Qualität.

Selten geworden ist Street Food im Slow Food Sinne, nämlich mit einem klaren lokalen Bezug. Worin zeigt sich dieser? Mindestens zwei Kriterien sind dafür zwingend: 1. Die Speise muss eine lokale, mindestens jedoch eine regionale Tradition repräsentieren, 2. die Hauptzutaten stammen von lokalen Lebensmittelhandwerkern. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit sollte ein sehr guter Geschmack sein, der sich aus qualitativ guten Produkten und weitest gehender Zusatzstofffreiheit ergibt. Qualität hat ihren Preis; fair wird er erst, wenn alle am Erzeugungsprozess Beteiligten so partizipieren, dass auch ihnen der Imbiss schmeckt.

Lokale Imbisskultur – auch ein Imagefaktor

Gutes Street Food stärkt die kulturelle Individualität einer Stadt, trägt ihren Namen sogar in alle Welt. Florenz wäre ärmer, gäbe es nimmer das Lampredotto (fein geschnittener Rinder-Labmagen mit grüner oder roter scharfer Soße), ein Kuttelgericht „auf die Faust“ im runden Brötchen, verkauft aus mobilen Kesseln von den Trippai, den „Kuttelmännern“, auf den Plätzen der Stadt. Die Stadt Hof im nordbayerischen Vogtland wäre kulturell ärmer ohne ihre traditionsreichen „Wärschtlamo“ in ihrer speziellen Tracht mit linkseitig umgehängten, Holzkohle befeuerten, glänzenden Messingkessel und rechtsseitig hängendem Henkelkorb voller „Laabla“, knackigen, langen, dünnen Würstchen ähnlich den „Wienerla“, die im Dampf garen; man genießt sie mit oder ohne Senf mit einem Brötchen. Wieviel hätte Coburg verloren, könnte man die auf Kiefernzapfen geröstete, handwerklich erzeugte Coburger Bratwurst nicht mehr am Imbissstand auf dem Marktplatz oder sonst wo in Coburg genießen! Ach, gäbe es doch mehr solcher lokalen Streetfood-Spezialitäten!

Hans-Werner Bunz

¹ Gunther Hirschfelder „Europäische Esskultur“, Campus Verlag, Frankfurt, S. 247, ² dgl. S. 252, ³ dgl. S. 253

 

Trump – der Mann von vorgestern

Die USA sind nach wie vor der Weltmeister der Klimaschädigung. Jeder US-Amerikaner „bläst“ 16,9 Tonnen CO2 pro Jahr (2015) in die Atmosphäre und sorgt massiv für ihre Kohlendioxyd-Anreicherung, die wohl dominante Ursache für die Klimaerwärmung. Die Chinesen übertreffen die USA in Summe zwar ums Doppelte, aber jeder Chinese verursacht weniger als die Hälfte eines US-Amerikaners, nämlich rund 7 Tonnen (2015). Deutschland – an 6. Stelle der CO2 Erzeuger – ist mit 9,5 Tonnen pro Einwohner (2015) auch ein stattlicher Klimasünder, auch wenn die Gesamtmenge nur ein Bruchteil der beiden Vorgenannten ist: USA schädigt das Klima im Vergleich zu Deutschland um das 6,7 -fache, China fast um das 13-fache! Wer als Deutscher nun meint, er könne sich auf die Schulter klopfen, irrt. Deutschland war bis zum Jahr 2013 auf einem guten Weg der Minimierung des CO2-Ausstoßes: von 1970 in 43 Jahren um rund 300 Millionen Tonnen, fast 30 Prozent, auf 759 Tonnen, doch seitdem wachsen unsere CO2-Emissionen wieder kräftig: um fast 30 Millionen Tonnen auf 798 Millionen (Jahr 2015) – und auch das Jahr 2016 wird wohl eine Zunahme verzeichnen.

America first?
Donald Trump hat seinen Landsleuten vielerlei versprochen, ganz typisch für Populisten. Und  gedroht hat er der Welt, nicht nur dem Nachbar Mexiko mit „America first“ und – so auf seiner Pressekonferenz am 11. Januar 2017 – er sei für die USA „der größte Job-Schaffer Gottes“. Damit postulierte er die Befeuerung der US-Produktion und den Weltmachtanspruch der USA: andere haben sich unterzuordnen. „America first“, also der Anspruch, US-Interessen hätten Vorrang vor anderen, ist in der US-Politik nicht neu. In den letzten 60 Jahren verursachte diese Einstellung der US-Politik in vielen Teilen der Welt Unglück, Kriege und Rebellionen mit Millionen Toten und noch mehr Alltagsleid: Nicht wenige Länder Afrikas und Südostasiens, aber auch Indien und der südlich der USA beginnende Teil des amerikanischen Kontinents leiden bis heute darunter. Unter Trump, so scheint es, ist künftig für viele Länder keine Besserung zu erwarten, eher wohl eine Verschärfung. Trumps Denke mag’s nicht kompliziert: wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn – wer ihm keine Vorteile gönnt, ist sein Feind.

In Trumps Weltbild – CO2-Emissionen des Menschen sind winzig (aber die Wirkungen sind gewaltig!) –  passt das Thema Klimaerwärmung durch von Menschen verursachte CO2-Emission (fossile Rohstoffe verbrennen, Baustoffe erzeugen, Landwirtschaft industriell betreiben, entwalden) ganz und gar nicht. Ebenso ignoriert er, dass die US-Amerikaner einen Lebensstil pflegen, der eigentlich drei Planeten wie unsere Erde benötigt, wollten alle restlichen 7 Milliarden Menschen so verschwenderisch leben. Schon heute sind der Hunger und die Mangelernährung von Milliarden Menschen ebenso wie die Vernichtung der Artenvielfalt, die Zerstörung der Landschaften und die Erwärmung der Meere eine Folge der Ausbreitung hemmungsloser Selbstsucht, genannt globalisierte Marktwirtschaft. Sie ist eine Erfindung des von den USA angeführten „entwickeltem“ Westen, zu dem Westeuropa gehört – und damit auch wir. Gelingt es Trump nun Arbeitsplätze in seinem Land schaffen, und er möchte dies sicherlich auf die Schnelle, wird er die CO2-Emissionen der USA weiter erhöhen. Die der übrigen Länder werden deswegen wohl kaum weniger. Trump sorgt so für noch mehr Leid rund um den Globus zugunsten eines überzogenen Lebensstils seiner Landsleute. Trump ist deshalb kein Staatslenker von heute, sondern einer von vorgestern. Das Schlimme ist, was er anrichtet, muss er nicht ausbaden. Ausbaden müssen es die Weltgemeinschaft der Menschen, die Tiere und unsere gemeinsamen Lebensgrundlagen.

Hans-Werner Bunz

Foto: Trockenes Afrika © Micheal Geier