Sommerzeit – Zeit für gute Marmeladen

Neudeutsch müsste es eigentlich heißen: Sommerzeit – Zeit für gute Brotaufstriche aus Früchten. Ich bleibe bei Marmelade. So kenne ich diese köstlichen, mit nicht zuwenig Zucker gekochten Früchte, abgefüllt in einem Glas, seit meiner Jugend. Namensgeber für Marmelade ist laut Wikipedia das portugisische Wort marmelo = Quitte. Dass heutzutage nach EU-Vorschrift nur mit Zucker eingekochte Zitrusfrüchte Marmelade heißen dürfen, ist auch unlogisch: Quitten sind keine Zitrusfrüchte, sondern ein Kernobstgewächs innerhalb der Rosengewächse-Familie.

Wie auch immer: Ich liebe nur reinsortige Marmeladen, also nur aus einer Frucht, aber mit Stückchen. Weshalb meine Marmelade laut EU kein Fruchtaufstrich ist, sondern eine Konfitüre. Ich nenne sie trotzdem Marmelade. Es ist meine Frau, die diese wirklich köstlichen Marmeladen kocht. Und was macht diese so köstlich? Eigentlich wie immer bei Lebensmitteln: Nimm nur Bestes, was auch in diesem Falle heißt: 1. Wirklich reife Früchte (wenn möglich Bio) mit schönem Aroma und einwandfreiem Äußeren; es lohnt, zuvor mindestens eine Frucht zu verkosten, natürlich gut gewaschen und abgetrocknet. 2. Ausreichend Zucker nehmen: 900 g auf 1 Kilo Frucht (kommen Sie mir bloß nicht, das sei ungesund: Sie essen doch nicht gleich 500 g davon – und das jeden Tag! Oder?); nehmen Sie möglichst „Einmachzucker“ (das ist reiner weißer Zucker mit gröberem Korn), jedoch auf keinen Fall „Gelierzucker“; denn da ist künstliche Zitronensäure drin. 3. Dem Zucker fügen Sie das geschmacksneutrale, aus Algen gewonnene Verdickungsmittel Agar Agar nach Liste bei (je nach Fruchtsorte unterschiedliche Menge) und rühren beides unter die Früchte. 4. Alles unter gelegentlichem Rühren aufkochen und 2 Minuten durchkochen. 5. Gebe – je nach Frucht und Geschmack – ein wenig frisch gepressten Zitronensaft dazu.  6. Den aufsteigenden Schaum abschöpfen. 7. Am Ende der Kochzeit ein kleines Glas feinen Edelbrand (ca. 50 – 70 ml auf die obige Menge) von derselben Frucht zugießen, gut umrühren und sofort in die zuvor gut gespülten, abgetropften Gläser bis zum Rand einfüllen, Deckel drauf und festziehen, das Glas stürzen und auf dem Deckel eine Weile ruhen lassen. 8. Das Glas, in diesem Falle dann die Gläser, umdrehen, äußerlich säubern und – mit beschriftetem Etikett – im Keller oder in einer dunklen Ecke der Vorratskammer verstauen.

Widerstehen Sie irgendwelchen Kompositionen. Sie gelingen seltenst. Und erst recht ein Graus ist die Vielfrucht-Marmelade. Und fangen Sie ja nicht an, mit Gewürzen den Geschmack der Früchte zu maltraitiren. Statt mit falscher Kreativität widmen Sie sich besser dem Finden vorzüglicher Früchte. Da haben Sie, Ihre Familie, Ihre Gäste und Freunde mehr davon. Denn üblicherweise sind solche Eigenkreationen nichts weiter als Wichtigtuerei und verraten schlechten Geschmack. Statt Mischmasch genießen Sie den feinen, aromatischen Geschmack der jeweiligen Frucht: Was für Unterschiede in den Aromen, im Mundgefühl und den Strukturen, wenn Sie ein, zwei oder gar drei Marmeladen zum Frühstück oder zum Nachmittagskaffee genießen – das ist Genießerglück!

Foto: Vermutlich Goldrenette Römischer Kikker, sehr alte Sorte © Marius Wittur

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