EU erlaubt Insekten als Lebensmittel

Brüssel. Seit 1. Januar 2018 sind auch Insekten in der Europäischen Union als Lebensmittel anerkannt. Das bisher bestehende Verbot wurde aufgehoben und ersetzt durch die Verordnung (EU) 2015/2283. Sie ermöglicht einzelne Spezies zuzulassen. Zuvor muss allerdings eine Unbedenklichkeitsprüfung für jede Insektenart erfolgen. Bisher wurde noch keine derartige Zulassung erteilt. Noch weitgehend unbekannt sind die Regelungen der hygienischen Bedingungen bei der Produktion der Tiere, ihrer Tötung und Verarbeitung. Ebenso umstritten ist noch die korrekte Kennzeichnung von Lebensmitteln mit Insekten. Doch gibt es bereits ein deutsches Start-up, Bugfoundation nennt es sich, das schon einen Insekten-Burger entwickelt hat. Für dessen Entwicklung mit dazugehöriger Markenidentität arbeitete man 12 Monate mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik und mit Experten aus Wirtschaftspsychologie, Ökotrophologie, Lebensmitteltechnik und Marketing zusammen. „Wir wollten ein Produkt schaffen, dass geschmacklich und ästhetisch über jeden Zweifel erhaben ist“, so Baris Özel von Bugfoundation. Ihr Bux-Burger basiert auf 43 Prozent Buffalowürmern und soll eine fleischähnliche Grillfleisch-Scheibe, ein Patty, sein.1

Geld machen mit Grillen und Mehlwürmern
Es scheinen sich schon eine ganze Menge Betriebe darauf zu freuen, uns mit Insekteneiweiß und Insektenvitaminen zu verwöhnen. Und natürlich ganz im industriellen Maßstab. Bei den Insekten gibt es ja nur Gutes zu vermelden: Sie seien billig herzustellen, lieferten hochwertiges Eiweiß, viele Vitamine und die Zucht sei umwelt- und klimaschonend. Sogar erheblich schonender als Fleischproduktion: Laut einer Studie – so Spiegel online vom 24.08.17 – könnte die weltweit benötigte Farmfläche um ein Drittel verringert werden, wenn die Hälfte des aktuellen Fleischkonsums durch Grillen und Mehlwürmer ersetzt werden würde. Ja, das könnte sogar für landwirtschaftliche Betriebe „ein beachtenswertes wirtschaftliches und ökologisches Potenzial sein.“1

Einen Wermutstropfen schüttet die Umweltorganisation WWF in die Euphorie. Mitteleuropa sei zu kalt für diese Insekten: 25 Grad seien mindestens erforderlich. „Wenn extra beheizt wird, ist die Klimabilanz im Eimer“, sagt WWF-Experte Markus Wolter, so der oben erwähnte Spiegel-Artikel. Der Mensch freilich handelt nicht immer vernünftig. Eine schlechte Klimabilanz wird so manchen mitteleuropäischen Landwirt kaum abhalten, es dennoch zu versuchen – ist ihm doch heute schon egal als Massentierhalter und konventioneller Landwirt. Und wohl schwer wird sein, Liebhaber des fränkischen Schäufeles, des Rinder-Steaks, des Kalbsschnitzels, des Lammrückens, der Hähnchenbrust, der Bratwurst und des rohen Schinkens zum Wechsel zu bewegen. Erst recht, weil schon seit langem bei uns (leider) die meisten Esser die Innereien dieser Nutztiere als „Igittereien“ ansehen. Und: Ein Stück Kunstfleisch wie das obige Patty ist sicher nicht das gute (also köstliche), saubere (also frei von Chemie plus Natur und Klima schonend erzeugt) und faire (alle Beteiligten sind fair bezahlt) Lebensmittel, was Slow Food fordert.

Hans-Werner Bunz

1) abgerufen am 09.01.18

 

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