Kauft beim Metzger, Leute!

Wo kaufen Sie Ihre Wurstwaren? Beim Diskounter? Im Supermarkt? Ich rate Ihnen: kaufen Sie Wurst, Schinken und Fleisch beim Metzger. Wo der Inhaber das produzierende Unternehmen repräsentiert. Kaufen Sie dort, wo Sie den Fachmann sehen und mit dem sprechen können, der mit seiner Person, seiner Familie und seinem Geschäft haftet für seine Qualität. Kaufen Sie da,  wo der Erzeuger Sie als Person kennt, und der weiß, wenn er Sie enttäuscht, verliert er nicht nur Sie als Kunde, sondern auch andere, weil sich’s herumspricht.

Gerade macht wieder einmal ein Skandal die Runde. Wie alle bisherigen Fleischskandale ist auch dieser Skandal der eines industriell produzierenden Betriebs. Stattlich ist er, mit vielen Mitarbeitern. Wie alle vorigen vor ihm, betont auch dieser Betrieb sein hohes Ethos, seine verantwortungsvolle Moral und seine außergewöhnlichen Anstrengungen für die Qualität seiner Produkte. Doch offenbar wird nicht überall konsequent genug danach gehandelt. Über das Warum ließe sich trefflich spekulieren. Die Leidtragenden freilich sind immer die gleichen: die Tiere, die Bauern, die Mitarbeiter und die Käufer.

Im aktuellen Fall der Sieber Wurst- und Schinkenspezialitäten GmbH, die ihre Produkte vor allem an Diskounter (außer Aldi) und Supermärkte von REWE und Tengelmann in ganz Deutschland verkauft, vermeldete die fränkische Tageszeitung „Mainpost“ Ende Mai: Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts gehen davon aus, der seit 2012 aufgetretene Listerose-Ausbruch stehe mit hoher Wahrscheinlichkeit im Zusammenhang mit dem zahlreich verkauften Original Bayerischen Wammerl (Bauchspeck vom Schwein) der Sieber GmbH. 70 bis 80 Menschen seien in Süddeutschland an dieser speziellen Form der Listeriose erkrankt, acht über Fünzigjährige, vier direkt und vier indirekt, daran sogar gestorben, so das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Auch habe die bayerische Lebensmittelüberwachung in fünf Produkten des Unternehmens Listerien entdeckt. Das zuständige Landratsamt habe der Wurstfabrik eine Rückrufaktion aller ausgelieferten Waren verordnet und untersage vorerst eine Weiterproduktion. Der Sieber-Geschäftsführer schätze den finanziellen Schaden durch die Rückrufaktion und den Produktionsstop auf 100.000 Euro täglich – bei einer möglichen Insolvenz des Unternehmens könnten die 120 Mitarbeiter ihre Arbeit verlieren.

Wie alle, lobt auch dieses Unternehmen seine Produkte: Das Beste sei für sie gerade gut genug, sagt man auf der eigenen Webseite. Das Beste relativiert sich, wenn man weiß, dass bestes Wurstfleisch ökologisch gehaltene Schweine liefern, die auf Stroh und in Familien lebten mit Ruheraum, Auslauf  und speziellen Platz zum Koten, die immer frische Luft genossen und den Doktor so gut wie nicht sahen, die hofeigenes Futter bekamen und sechs, acht oder gar 10 Monate alt werden durften. Solche Schweine haben ihren Preis. Und ihre Menge ist ziemlich begrenzt. Sie können also nicht gemeint sein. Aber welche dann?

Hans-Werner Bunz

PS: Die Firma Sieber hat inzwischen Insolvenz angemeldet.

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