Glyphosat in deinem Körper

Nun habe ich es Schwarz auf Weiß:  Glyphosat bewohnt meinen Körper, um genau zu sein, ist im Urin nachgewiesen mit 0,42 ng/ml. Auf meine Nachfrage im Labor, ob das ok sei, sagte man mir, eigentlich müsse eine Null da stehen. Aber da stehen 0,42 ng/ml, ng für Nachweisgrenze und ml für Milliliter. Schlechter wäre, wenn da 1,42 ng/ml stände, das wäre wirklich schlecht, sagte man mir, Gott sei Dank habe ich aber nur 0,42 ng/ml. Doch das sind genau 0,42 ng/ml zu viel, weil ich als Mensch 0,00 ng/ml Glyphosat im Urin haben sollte. Warnt doch das Krebsforschungszentrum der Weltgesundheitsorganisation (IARC) nachdrücklich vor Glyphosat im Körper, mit mir mindestens noch weitere 40 Millionen Deutsche, weil man dieses Ackergift zur Unkrautvernichtung verdächtige, Krebs zu erzeugen. Freilich, aber das beruhigt nicht, sieht das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), immerhin eine staatliche Stelle und zu diesem Thema Berichterstatter für ganz Europa, das ganz anders und mit ihm auch die entsprechende EU-Behörde: Glyphosat sei ganz harmlos. Aber sie beweisen es nicht, sondern sagen es bloß, und sagen, dass der Bericht, also ihr eigener Bericht, der Geheimhaltung unterliege wegen der Geschäftsgeheimnisse, die er enthalte.

Nun hat das UBA, das Umwelt-Bundesamt, eine neue Langzeitstudie veröffentlicht: Es lasse sich Glyphosat im Urin nachweisen, na so was, das weiß ich seit Monaten auch schon und sogar mit 0,42 ng/ml. Zwar läge der höchst gemessene Wert laut UBA um den Faktor 1.000 niedriger als die EU-Lebensmittelbehörde für vertretbar halte, erstaunlich, dass diese Behörde entscheidet, wie viel Gift wir zu uns nehmen müssen ohne zu klagen, doch müsse man, falls wie von der WHO befürchtet sich herausstelle, dass Glyphosat Krebs beim Menschen verursache, neu darüber diskutieren. Das tut man ja nun schon Jahre. Und es gibt viele Zeichen, unübersehbare Zeichen, die den Verdacht erhärten, dass Pestizide mit Glyphosat krank machen, sterbenskrank. In Argentinien melden viele Siedlungen inmitten der riesigen Sojafelder, die meist per Flugzeug mit dem Herbizid eingenebelt werden, überdurchschnittlich viele Missbildungen bei Neugeborenen. So wundert es nicht, dass laut ZEIT ONLINE 96 Forscher in einem offenen Brief (eine Kopie hat sich des Autor heruntergeladen) sich gegen die Verharmlosung von Glyphosat durch BfR und EU wehren und unmissverständlich fordern: Herbizide mit Glyphosat sollten verboten werden.

Herbizide mit Glyphosat verbieten!
Wie kommt das Glyphosat in meinen Körper, wo ich doch mit Ausnahme der Backwaren fast nur Bio-Produkte esse, bei denen solche Herbizide strikt verboten sind? Das liegt sicher auch am „fast“, aber nicht nur. Die Getreidebauern beispielsweise, aber nicht nur sie, vernichten mit Glyphosat-Herbiziden auf ihren Äckern das Unkraut. Das geschieht nicht immer bei Windstille, weshalb die Abdrift der Sprühnebel auch Felder von nahen und ferneren Nachbarn „bedient“. In unserer klein strukturierten Felderlandschaft sind dazwischen auch Bio-Bauern, die darüber totunglücklich sind, weshalb die EU bislang eine minimale Verschmutzung ihrer Ernte goutiert, können die Bio-Bauern doch in den seltensten Fällen den verursachenden konventionellen Kollegen gerichtsfest zum Schadensersatz bestimmen. Für den Konsumenten schlimmer freilich ist die Sikkation der konventionellen Landwirte: das Besprühen der Felder mit glyphosathaltigem Herbizid bis sieben Tage vor der Ernte zur Reifebeschleunigung und Beikräutervernichtung bei Getreide und Raps.

Problematisch auch die Beistoffe
Glyphosat im Herbizid sei nur einer der Wirkstoffe, sagt das UBA, man müsse deshalb auch die Beistoffe in die Bewertung und die Diskussion einbeziehen. Baue sich Glyphosat je nach Temperatur und Boden in 3 bis 240 Tagen zur Hälfte ab (und gänzlich in 6 bis 480 Tagen), so brauche laut Naturschutzbund NABU das Hauptabbauprodukt AMPA (Aminomethyl-Phosphonsäure) als Halbwertzeit 78 bis 240 Tage, in manchen Fällen sogar bis 875 Tage. Noch problematischer ist Tallowamin. Es erleichtert das Aufnehmen der Wirkstoffe bei Pflanzen, aber auch bei Tier und Mensch. 2011 wurde es deshalb in Deutschland für Futtergetreide und Einstreu verboten. Nicht jedoch für Getreide zum menschlichen Verzehr – ein Skandal! Nicht genug damit: Eine weitere Quelle für Anreicherungen im menschlichen Organismus ist das durch Auswaschungen belastete Wasser unserer Bäche und Flüsse mit ihren Fischen, die wir essen, und das Grundwasser oder Uferfiltrat, das wir trinken.

Hans-Werner Bunz

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