Zeitenwende

Besichtigung eines verunsicherten Landes

Drei: Licht und Schatten
Ich bin immer wieder erstaunt, wie sehr das Fernsehen sich mit Talkshows des Themas Flüchtlinge bemächtigt – inzwischen schon Monate. Und immer sind es die gleichartigen Zusammensetzungen, einige dafür, einige dagegen – sonst komme ja keine Spannung auf. Da wird geredet, geredet, geredet. Es kommt aber nichts dabei heraus: will sagen, es bleibt alles im Unverbindlichen.
Bestätigt freilich in ihren Ängsten und Vorbehalten finden sich viele Zuschauer, jene, die dagegen sind, wie jene,  die dafür sind, was auch immer gesagt wurde. Ein verbindliche Handlung entsteht daraus nicht. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, das ganze Gerede fördere die Ängste der Verunsicherten. Nicht erstaunt dann, dass diese sich zusätzlich Bestätigungen ihrer Ängste und Vorurteile besorgen nach dem boulevard-journalistischen Grundsatz „bad news are good news“ über weitere Kanäle wie beispielsweise YouTube, diese auf ihre Smartphones laden und andere daran teilhaben lassen.

Unleugbar sind die großen Herausforderungen, die Deutschland derzeit meistern muss. Unleugbar ist aber auch, dass Deutschland bis heute eine gewaltige organisatorische Leistung vollbracht hat. Wir hätten Grund zur Genugtuung. Manches mag dabei nicht rechtlich korrekt abgelaufen sein, wie der zeitweise unkontrollierte Zutritt in unser Land.  Unleugbar scheint auch zu sein, dass es da und dort falsch verstandene Rücksichtnahme gegeben haben soll oder noch gäbe durch bewusstes Übersehen oder still-heimliches Ausgleichen rechtswidrigen Verhaltens von Ankömmlingen, ja, dass dies sogar intern angeordnet wäre – warum eigentlich?  Zweierlei Maß – käme dies ans Licht – hätte keine guten Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und auf die Flüchtlinge. Auffallend in meinem Gespräch mit den im ersten Kapitel erwähnten Tischgenossen war die Erwartung, dass die Ankömmlinge sich sofort nahtlos in unsere Kultur einordnen. Wie soll das gehen mit Ankömmlingen, die z.T. über Jahre ein Leben in Lagern mit Untätigkeit, primitiven, Scham strapazierenden Provisorien lebten und sie vergessen ließ, wie das Wohnen in Häusern und eigenen Wohnungen war? Wenn sie im Dreck leben mussten in riesigen Camps ohne eine für uns selbstverständliche Infrastruktur wie – um nur ein Beispiel zu nennen – Mülltrennung und -beseitigung. Und klar ist auch, viele haben eine geringere Schulbildung, als die allermeisten bei uns (doch auch bei uns gibt es nicht wenige junge Menschen, die unsere Bildungsziele nicht erreichen). Um zu verstehen, stelle man sich einmal vor, man müsse in Jordanien ohne englische und arabische Sprachkenntnisse, ohne Geld und seit langem auf der Flucht Zuflucht suchen: wie hilflos wäre jeder von uns, welche Fehler würden wir machen in der fremden Kultur, mit welchen Verhaltensweisen würden wir brüskieren, mit welchem Unverständnis würden wir den Gegebenheiten gegenüberstehen. Und würden wir unsere Fähigkeiten dort tatsächlich auch anwenden können, wo wir doch so vieles gewohnt sind, was es dort normalerweise nicht gibt?

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