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Kompetenzstrategie >Selber kochen<

Paradigmenwechsel:

Immer mehr junge Menschen erkennen: Wer selber kocht, hat mehr vom Leben. Nämlich mehr Geld in der Tasche und im Leib weniger Zipperlein.

Finden Sie Zitronensäure lecker? Und wie schmeckt Ihnen Riboflavin-5-phosphat? Können Sie auch nicht von Tartrazin lassen? Sind Sie gar süchtig nach Benzoesäure oder Dimethyldicarbonat?

Was soll der Blödsinn, fragen Sie jetzt vielleicht, Sie äßen doch keine Chemikalien! Doch, leider tun das die meisten von uns. Zwangsläufig, weil wir überwiegend industriell erzeugte Nahrungsmittel essen und trinken. Und diese sind angereichert mit so genannten Zusatzstoffen, die auf den Verpackungen als E-Nummern erscheinen. Ob Keks oder Brot, ob Wurst oder Käse, ob Softdrink oder Cocktail, ob Fertiggericht oder Kaugummi – alle stecken sie voller, meist synthetisch hergestellter Zusätze. Allein 310 E-Nummern gibt es – und darin sind noch nicht die nicht kennzeichnungspflichtigen Stoffe enthalten, wie beispielsweise die Aromastoffe, zumeist synthetische, selbst wenn die Verpackung natürliches Aroma verkündet. Denn natürlich ist alles, was aus einem natürlichen Stoff erzeugt wird: also ist Erdbeeraroma aus Unsagbarem laut Gesetz ein natürliches Aroma.

Diese Zusatzstoffe, versichert man uns, unterliegen strengen Anforderungen hinsichtlich gesundheitlicher Unbedenklichkeit: Der im Produkt enthaltene Zusatzstoff stelle in der angewendeten Konzentration bei diesem Lebensmittel langfristig kein Gesundheitsrisiko dar. Unberücksichtigt dabei bleibt freilich, was geschieht, wenn auch andere Lebensmittel diesen Stoff enthalten und sich dieser also summiert? Und überhaupt nicht untersucht wurde, was sich aus der Kombination verschiedener Zusatzstoffe ergibt – ganz besonders bei Jahrzehnte langem Verzehr! Auch ohne Untersuchung erleben wir alltäglich die Ergebnisse: massive Steigerungsraten bei Neurodermitis, Allergien und Unverträglichkeiten, rasant steigende Krankheitskosten, die dabei sind, die Gesellschaft zu überfordern. Papperlapp, sagen die Beschwichtiger, wir werden doch alle älter! Ja, sagen die Kritiker, aber wir werden nur länger krank.

Konsumenten emanzipieren sich
Eigentlich müsste schon der gesunde Menschenverstand einem sagen, dass die permanente Einnahme eines künstlichen Chemiecocktails einem natürlichen Lebewesen nicht gut tun kann. Aber darüber denken wir lieber nicht nach. Weil es dann für uns unbequem wird. Das fängt schon damit an, dass man dann im Supermarkt nicht mehr nur nach dem Preis gucken muss, sondern vor allem nach dem Kleingedruckten auf der Packung. Da die wenigsten von uns die Bezeichnungen verstehen und keiner ein E-Nummernverzeichnis mit sich führt, bleibt nur übrig zu hoffen, dass es schon nicht so schlimm sein wird. Oder das Produkt zu meiden. Und als Konsequenz (bis auf garantiert reine Produkte) nur noch frische Lebensmittel zu kaufen. Mit der weiteren Konsequenz, dass man seine Speisen wieder selbst zubereiten muss.

Und das erzeugt ein neues Problem: Wir haben das Kochen verlernt. Im Fernsehen boomen zwar die Kochshows auf allen Kanälen, doch das schauen wir uns lieber an, als dass wir uns selbst an den Herd stellen, und futtern Pizza aus der Packung. Wir müssen es zugeben: Wir sind unselbständig geworden. Und folgen brav – wie einst die Hameler Kinder dem Rattenfänger – den bunten, viel versprechenden Lockrufen der Nahrungsmittelindustrie.

Doch es häufen sich die Zeichen, dass die bislang so heile Welt dieser Industrie erodiert. Es wächst die Zahl ihrer Kunden, bei denen sich ein Unwohlsein breit macht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Da ist das ungeheuer breite Angebot, das die Kunden überfordert. Geboren aus dem Bemühen der Industrie, jeden individualistischen Lebensstil zu bedienen, schuf man eine unübersichtliche Vielzahl von Gleichem, deren Unterschiede faktisch meist nur optisch sind. Da sind die immer häufiger werdenden Berichte der Medien über Lebensmittelskandale, Täuschungen, leere Versprechungen. Da sind die Anklagen vieler Nichtregierungsorganisationen von Greenpeace über Food Watch bis zu den Naturschutzverbänden, mit denen sie die Konzerne an den Pranger stellen. Sogar der Staat hat eine virtuelle Klagemauer für Konsumenten ins Netz gestellt. Slow Food Deutschland hingegen hat den Spieß umgedreht und Foren wie z.B. den „Markt des guten Geschmacks – die Slow Food Messe“ für die guten Erzeuger geschaffen, für jene, die keine oder nur wenige, von Slow Food genau bestimmte Zusatzstoffe verwenden. Messen und Märkte dieser Art ziehen eine immer größer werdende Zahl von Besuchern an.

Souverän der eigenen Ernährung
Wer es leid ist, an der Nase herumgeführt zu werden, wer die immer gleichen faden Geschmackserlebnisse satt hat, wer statt Frust Lustgewinn beim Essen sucht, wer die häusliche Kokonisierung fliehen will – der besucht heute Kochkurse und Kochstudios. Oder genießt Einladungen, bei denen gemeinsam gekocht wird. Kochen hat etwas Magisches: die Verwandlung von Rohstoffen in eine genussvolle Komposition ist eine schöpferisch-handwerkliche Tat, die so unmittelbar heute fast nirgendwo mehr erlebbar ist. Es ist ein Weg zu höherer Lebensqualität, den junge Leute in den Städten, vor allem die Kreativen in den neuen Berufsgruppen, suchen. Und so ist es auch kein Wunder, dass dann beim Essen das Essen selbst, die Lebensmittel und die Tafelfreuden den Gesprächsstoff bilden.

Die dabei entstehenden Nebeneffekte sind nicht zu unterschätzen. Nicht nur das Lusterlebnis des Kochens verändert das Sein, sondern auch die dadurch geschärften Sinne. Da genügt das Industrieprodukt nicht mehr. Kurz: man wird gewahr, dass man zum Souverän seiner Ernährung wird. Das hat auch Folgen für den eigenen Geldbeutel. Denn zubereitete Nahrung, bei der man ja die Arbeitszeit des Herstellers und seinen Maschineneinsatz, die Verpackung und die Werbung sowie die Handelsspanne bezahlen muss, kostet mehr als das Selbstgekochte. Vom Qualitätsunterschied gar nicht zu reden. Und erst recht nicht von der gesundheitlichen Wirkung durch die Abwesenheit zu vieler Zusatzstoffe.   (Foto: Privat)

Hans-Werner Bunz

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