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Slow Foods „Slow Life“ ist weder Müßiggang noch Pennen

Professor Dr. Klotters umfangreicher Artikel zum Thema Slow Life (Beiträge Region und Nachhaltigkeit) ist lesenswert. Verwunderlich freilich ist nicht – immerhin ist eines seiner Fachgebiete an der FH in Fulda die Ernährungspsychologie – dass er bei diesem Thema auch die weltweite Bewegung Slow Food im Blick hat, verwunderlich ist, dass Slow Food offenbar für ihn gleichbedeutend mit Slow Life zu sein scheint, das er – verkürzt ausgedrückt – als eine Charaktermischung von Dandy, Müssiggänger und Penner charakterisiert: rückwärtsgewandt, untätig, selbstgefällig und schmarotzerisch. .

Es ist wahr, Slow Food spricht in seinem Manifest von 1989 von Fast Life, dem es etwas entgegen zu setzen gilt. „Wir sind alle von einem Virus befallen: „Fast Life!“, heißt es darin. Und weiter: „Unsere Lebensformen sind umgestürzt, unser häusliches Dasein betroffen – nichts kann sich der Fastfood-Bewegung entziehen.“ Fast Life wird als Ursache der Fastfood-Bewegung gesehen.

„Es geht darum, das Geruhsame, Sinnliche gegen die universelle Bedrohung durch das Fast Life zu verteidigen. „Und: „Fangen wir gleich bei Tisch mit Slow Food an. Als Antwort auf die Verflachung durch Fastfood entdecken wir die geschmackliche Vielfalt der lokalen Gerichte,“ ist die Replik darauf. Slow Food selber sieht sich also keineswegs als Manifestation des Slow Life, sondern bestenfalls als eine Widerstandsbewegung gegen die kulinarische Langeweile eines standardisierten, monokulturellen, industriell hergestellten Essens.

In diesem Manifest wird jedoch dem Fast Life die Schuld für die Veränderung unseres Lebens und vor allem für die Bedrohung unserer Umwelt zugesprochen. Und man proklamiert Slow Food als die richtige Antwort darauf, eine Antwort die im Geschmack liegt, im Austausch von Ideen, Wissen und Projekten für eine bessere, gesündere und Natur und Klima schonende Lebensmittel-Erzeugung.

Slow Foods „slow life“ beziehen sich also auf das Zeitnehmen beim Essen und bei der Erzeugung dieser Nahrung, was nichts anderes meint, als artgerechte Haltung von Tier und Pflanze, und in der nicht durch den Beruf beanspruchten Lebenszeit die Muße zu suchen, was auch immer das für den einzelnen sein mag.

Professor Klotter hat hier offenbar etwas missverstanden. Slow Foods Sicht des Slow Lifes propagiert einen anderen Weg der Produktion unserer Ernährung und fordert zur bewussten Lebensfreude auf und zur Bewahrung von Kultur, Natur und sozialem Leben. Slow Life definiert Prof. Klotter – sehr verkürzt ausgedrückt – als eine Charaktermischung von Dandy, Müssiggänger und Penner: rückwärtsgewandt, untätig, selbstgefällig und schmarotzerisch. Hingegen ist Slow Foods Sicht von Slow Life vorwärts gerichtet, fortschrittlich, tätig, genussvoll und teilend. (Foto: Helga Bunz)

Hans-Werner Bunz

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