Slow Food statt Fast Life

Fast Life ist das Übel an sich. Ihm etwas entgegen zu setzen, ist ein Kernanliegen von Slow Food. Schon in seinem Manifest von 1989 heißt es: „Wir sind alle von einem Virus befallen: Fast Life“. Und weiter: “Unsere Lebensformen sind umgestürzt, unser häusliches Dasein betroffen – nichts kann sich der Fastfood-Bewegung entziehen.” Fast Life wird als Ursache der Fastfood-Bewegung gesehen. “Es geht darum, das Geruhsame, Sinnliche gegen die universelle Bedrohung durch das Fast Life zu verteidigen. ” Und: “Fangen wir gleich bei Tisch mit Slow Food an. Als Antwort auf die Verflachung durch Fastfood entdecken wir die geschmackliche Vielfalt der lokalen Gerichte”, ist die Replik darauf. Slow Food selber sieht sich als Widerstandsbewegung gegen die kulinarische Langeweile von standardisiertem, monokulturellem, industriell hergestelltem Essen und dem damit einhergehenden Kultur- und Werteverlust.

Fast Life wird in diesem Manifest die Schuld für die Veränderung unseres Lebens und vor allem für die Bedrohung unserer Umwelt zugesprochen. Und man proklamiert Slow Food als die richtige Antwort darauf, eine Antwort die im Geschmack liegt, im Austausch von Ideen, Wissen und Projekten für eine bessere, gesündere und Natur wie Klima schonende Lebensmittel-Erzeugung. Slow Foods Fokus ist der essende Mensch (sich Zeit nehmen beim Essen) und die Erzeugung seiner Nahrung (artgerechte und naturnahe Haltung von Tier und Pflanze) sowie das Recht auf Muße, was auch immer das für den einzelnen sein mag in der nicht durch den Beruf beanspruchten Lebenszeit.

Rückblickend gelten für viele die späten 1980er Jahre als heile Welt – im Vergleich zu heute. Die elektronische Umzingelung, Smartphone und Internet haben unser Dasein seitdem enorm beschleunigt und die meisten so zur Omnipräsenz verpflichtet, dass immer mehr Menschen vom Fast Life überfordert sind – und aus der Arbeitswelt ausscheiden: „Burn out“ ist zur Volkskrankheit geworden. Sätze des Slow Food Manifestes wie „Gegen diejenigen, welche Effizienz mit Hektik verwechseln, setzen wir den Bazillus des Genusses und der Gemütlichkeit, was sich in einer geruhsamen und ausgedehnten Lebensfreude manifestiert“, haben heute mehr denn je Gültigkeit und werden von den Verständigen als sicherer Rettungsanker gelebt. Und lauter denn je hallt der Wunsch nach ethisch korrekt, also natur- und artgerecht erzeugten Lebensmitteln für einen Genuss ohne Reue. Immer mehr – vor allem jüngere – Konsumenten werden verständige Ko-Produzenten, deren Wissensdurst ihrer Lebenslust neue Quellen vermittelt. Modische Gewissheiten stürzen ein gleich Kartenhäusern und zutage tritt eine neue Sensibilität für das Gute, das Saubere und das Faire. Slow Food mit seiner Vision ist zur Richtschnur geworden.     (Foto: Gasthof Hofmann)

Hans-Werner Bunz

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