Slow Life revolutioniert das Sein

Die Ökonomisierung des Seins als Vater des Fast life
Zuerst haben wir die Uhr erfunden. Als die Sonnenuhr vor einigen Tausend Jahren entdeckt wurde, begann der Mensch den Tag in Zeitabschnitte zu teilen. Zuerst nur in Vormittag und in Nachmittag. Man begann das Tagwerk, wenn es hell wurde und beendete es, wenn es dunkelte. Bezahlt wurde nach Tagen. Im Sommer hieß das 16 Stunden Arbeitszeit, im Winter vielleicht nur sechs Stunden. Nur in den Klöstern gab es einen anderen Rythmus: ihn bestimmten die Gebete zu bestimmten Zeitpunkten des Tages und sogar der Nacht. Dafür behalf man sich mit Kerzen, in denen Nägel steckten, und beim Abbrennen die Gebetstunde “schlugen”: Die Uhr als Mahner, dass es Wichtigeres gibt als Arbeiten. Erst Ende des 13. Jahrhunderts wurden mit der Entdeckung der Uhrwerkhemmung die Stunden geboren. Und mit ihnen die Zerteilung des Tages und der Nacht in kleine Einheiten. Damit einher ging – zumindest in Europa – die rasche Verbreitung der Uhr, der Sonnen- wie der mechanischen Uhr. Und zugleich begann sich bei den Menschen das Zeitgefühl zu entwickeln, beschleunigt nach die Erfindung der tragbaren Uhr durch den Nürnberger Peter Henlein. Jahrhunderte lang kultivierten die Europäer dieses Zeitgefühl, bevor es auch in anderen Kulturen Eingang fand.

Benjamin Franklin: Zeit ist Geld
Die Ökonomisierung der Zeit freilich begann wohl mit dem Amerikaner Benjamin Franklin. In seinem 1748 erschienen Buch “Ratschläge für junge Kaufleute” bezieht sich dieser Satz auf die Arbeit (http://de.wiktionary.org/wiki/Zeit_ist_Geld). Im Zusammenwirken mit der einsetzenden Industrialisierung der Arbeitswelt jagt seitdem der Mensch den Menschen mit der Maschine: ein Wettlauf, den der Mensch bisher gewonnen hat, aber nur, wenn man jene übersieht, die dabei auf der Strecke blieben und bleiben: Hunderttausende, gar Millionen mögen es sein. Und was ist im Endeffekt der Gewinn für die in der Arena Verbleibenden? Mehr Geld zum mehr Geld ausgeben für mehr Dinge, die man eigentlich nicht braucht, aber kauft, weil man glaubt, das brauche man für das Sein. Rastloser Konsum als Lebenszweck?

Slow Life ist deshalb nichts anderes, als dem eigenen Leben wieder mehr Raum zu geben, ein in sich hineinhorchen und das Erinnern der einstigen Träume. Und dann anfangen, diesen im Leben Raum zu geben.
Hans-Werner Bunz

 

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