2013 oder was ich tun kann für die Welt (1)

Über 1.300 Mal wurde mein Blog bisher aufgerufen – und es waren Menschen aus vielen Ländern der Welt dabei, nicht wenige darunter, die vermutlich kein Deutsch verstehen. Ich bin mir bewusst, dass meine Texte Gedanken und Nachdenkliches bieten, aber nichts dabei ist, das mein privates Leben ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Das bleibt auch so. Gedanken und Nachdenkliches werden auch weiterhin diesen Blog kennzeichnen. Heute, am Anfang eines neuen Jahres – und wahrscheinlich nicht nur heute -, denke ich ein wenig darüber nach, was ich für die Welt tun kann. Nicht etwas Besonderes, sondern etwas ganz Alltägliches. So wird auch dies zu etwas Unpersönlichem, denn was ich im Alltag tun kann, können Sie, lieber Leser, liebe Leserin ebenso.

Zukunft findet jeden Tag statt

Je jünger jemand heute ist, desto wichtiger ist der Blick in die Zukunft, die seine Zukunft und zugleich die Zukunft vieler ist, in mancher Hinsicht sogar aller. Denn was gestern und vorgestern war, ist nicht vorbei, sondern wirkt weit in die Zukunft hinein. Das Heute und Morgen verstärkt oder mildert diese Wirkungen. Denn morgen ist das Heute von gestern. Zukunft ist hier nicht die persönliche Zukunft, denn diese kann niemand voraussehen wegen der individuellen Einflussfaktoren, wie beispielsweise Schicksalschläge, unkontrollierbare externe Einflüsse, Charaktereigenschaften usw.. Mit Zukunft meine ich die Zukunft von uns allen, die wir die Erde bevölkern.  Denn egal, wo wir leben, überall beeinflusst jeder von uns mit seinem Leben und seinen Aktivitäten die Welt als Ganzes – alles hat bereits seit vorgestern globale Auswirkungen.

Was wir tun, das können wir zum Guten und zum Schlechten tun. Auf mich bezogen mag das von winzigstem Ausmaß sein, aber es ist ein Ausmaß. Und wenn viele Gleiches oder Ähnliches tun, dann erzeugt dieses Tun ein großes, fühlbares Ausmaß. Wir sind wohl nahezu 7.000.000.000 Menschen auf der Welt. Und alle tun wir etwas. Das hat Auswirkungen auf alle. Und damit auch auf Sie und mich. Wenn wir also Zukunft gestalten wollen, müssen wir das täglich tun. Wir können dabei das, was wir gestern falsch gemacht haben, nicht aus der Welt schaffen; was wir aber können ist, es heute und morgen besser zu machen und damit unseren Beitrag leisten für eine bessere Zukunft.

Mit dem Alltag die Welt verändern?

Was ist mein Alltag? Nun, zuerst einmal essen – drei, manchmal vier Mahlzeiten am Tag – und trinken, immer nach Bedarf. Wie langweilig, wie banal! Oh nein, überhaupt nicht. Denn das Essen (und Trinken) von uns Menschen hat gewaltigen Einfluss auf ungeheuer vieles: Klima, Bodenfruchtbarkeit, Wasser, Luft,  Ressourcen, Gesundheit (meine und die anderer), Investitionen, Arbeitsplätze, Politik und vieles andere mehr. Mit dem, womit ich mich ernähre, beeinflusse ich die ganze Welt. Und genau deshalb trage ich Verantwortung auch für die ganze Welt, nicht nur für mich.

Nehmen wir an, ich äße die Fertignahrung der Nahrungsmittelindustrie mit den bunten Bildern und großen Versprechungen auf der Verpackung. Dann müsste mir auch klar sein als moderner Mensch, dass:
– dahinter ein komplizierter, industrieller, also mit vielen Maschinen und hohem Energieeinsatz ausgestatteter Herstellungsprozess steht, sowohl für das Nahrungsmittel selbst als auch für seine Verpackung,
– zudem riesige Mengen so genannter Food Miles gefahren werden und dabei jede Menge Treibstoff verbrauchen, aber auch Straßenverschleiß verursachen;
– auch eine Landwirtschaft mit hohen Energie- und Maschineneinsatz dafür arbeitet,
– ganz zu schweigen vom Ressourcenverbrauch für die Herstellung von Maschinen, Verpackungen und Dünger, die Reparatur von Straßen (ein LKW beanspruche eine Straße wie 100.000 PKW, heißt es) sowie die notwendige Werbung, die einen erheblichen Anteil am Endpreis ausmacht.
Rechnet man das alles in CO2 um, dann kommt da Tag für Tag ein großer ökologischer Fußabdruck zustande, der unser Klima weiter aufheizt, die Umwelt schädigt, Böden auslaugt, öffentliche Reparaturinvestitionen verursacht und Geld bindet, das woanders vielleicht sinnvoller ausgegeben werden könnte. Die Schäden daraus sind unvermeidbar und werden viele auf der Welt treffen. Am meisten werden jene dafür bezahlen, die heute in den Dreißigern und jünger sind.

Mache ich weiter wie bisher?

Weil ich – besser gesagt wir, meine Frau und ich – das Gegenteil des oben beschriebenen Lebensstils leben, machen wir im Hinblick aufs Essen weiter wie bisher:
1. Einkaufen beim Gärtner, Metzger, Bäcker, Fischer in der Stadt und bei lokalen Landwirten  und Erzeugern in der nahen Umgebung; nur Milchprodukte kaufen wir im Supermarkt ein.
2. Wir bevorzugen grundsätzlich Bio-Produkte.
3. Wir kochen selbst und das jeden Tag (außer wir gehen essen im Gasthaus, was immer wieder mal der Fall ist, aber auch da bevorzugen wir nomralerweise solche Etablissements, die mit Produkten der Region arbeiten).
4. Die von uns bevorzugten Betriebe produzieren entweder in der Stadt oder nicht weit entfernt; was sie zukaufen beziehen sie überwiegend aus der nahen Umgebung: zwei „unserer“ drei Metzger schlachten noch selbst und sind sogar Bio zertifiziert, die lokalen Gartenbaubetriebe sind an vier Wochentagen auf dem Wochenmarkt zugleich mit einigen Erzeugern aus der Umgebung. „Unsere“ drei Bäckereien kaufen alle bei zwei Mühlen in der Umgebung (bei der kleineren kaufe ich auch mein Mehl in größeren Gebinden; denn diese Mühle hat nur Getreide von Bauern der Region). Der Fischhändler ist Fischer und fischt mehr oder weniger täglich im Fluss, dessen Wasser wieder fast Trinkwasserqualität  hat und an dessen Ufern unsere Stadt liegt; natürlich hat er auch Fische aus der Teichwirtschaft, doch auch diese sind nicht allzu weit entfernt.

Wir werden weiterhin im Spätsommer aus großer Tomatenvielfalt viele Gläser Tomatensoße kochen, die sich zur Suppe verwandeln lässt. Aus dem großen Früchteangebot ab Spätfrühling kochen wir Marmelade. Bei Gurken verlassen wir uns auf eine Bäuerin, die auch zu dünne Spargelstangen und bzw. deren Köpfe, die sonst unverkäuflich wären, delikat einweckt (letztere schmecken köstlich als Salat und sind perfekt zu gebratenen kleinen Rosenkranz-Bratwürstchen). Da wir auch selbst (gut) kochen und backen, verarbeiten wir alles bis auf das wirklich Ungenießbare, wie welke Blätter, Kartoffelschalen oder ausgekochte Karkassen. So gibt es bei uns fast keinen Plastik- und Verpackungsabfall und selbst der Abfall bei den Lebensmitteln ist gering. Summa summarum ergibt unser Lebensstil hinsichtlich des Essens einen relativ kleinen ökologischen Fußabdruck bei gleichzeitig großen Tafelfreuden, auf die wir sehr Wert legen.

Zeit – Geld oder Leben?
All das verlangt nach Zeit, Zeit zum Einkaufen, Zeit zum Verarbeiten und Zeit zum genussvollen Tafeln. Ein Anachronismus in einer Welt, in der Effizienz der Maßstab für mehr oder weniger alles zu sein scheint? Und spart man wenigstens Geld? Zeit sei Geld, behauptet ein aus den USA die Welt eroberndes Wort. Dem will ich entgegensetzen: Zeit ist Leben. Und kann man Leben mit Geld aufwiegen? Die Zeit, die meine Frau oder ich verwenden fürs Einkaufen und Zubereiten von Speisen und Backwerken ist eine Zeit der Begegnung mit durchaus interessanten Menschen und eine Zeit sinnvoller Tätigkeit; und für mich – nach einem beanspruchenden Tag in meinem Büro – auch eine Zeit der Erholung und Freude, ebenso wie das gemeinsame Tafeln mit den zugehörigen Gesprächen: wieviel Geld ist das wert? Es ist unbezahlbar.

Hans-Werner Bunz

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